Balkon & Garten

Saatgutmischungen

Saatgutmischungen enthalten eine Vielzahl unterschiedlicher Kultur- oder Wildarten. Die Zusammensetzung hängt vom Verwendungszweck und den Standorteigenschaften ab. Es gibt einjährige und mehrjährige Mischungen. Letztere enthalten auch einjährige Anteile, die schon im ersten Jahr blühen. Wir raten zu mehrjährigen Mischungen, weil sie die Nahrungsversorgung über die gesamte Insektensaison hinweg sicherstellen. Abgestorbene markhaltige Pflanzenstengel bieten Insekten zudem Nistplätze und Winterquartiere.

Es ist empfehlenswert, regional-zertifiziertes Saatgut von gebietseigenen (autochtonen) Populationen zu verwenden, die natürlicherweise in der Region vorkommen, in der die Samen ausgebracht werden. Denn das Erbgut einer Population passt sich im Laufe der Zeit an die lokalen Verhältnisse an. Gleichzeitig adaptieren sich die Insekten, vor allem die Spezialisten, die anders als die Generalisten auf eine bestimmte Pflanzenart angewiesen sind, an die lokale Ausprägung der Pflanzen. Der Eintrag gebietsfremden Pflanzenerbguts sollte daher vermieden werden.

Saatgutbezugsquellen

Insektenfreundliches, regional-zertifiziertes Saatgut für Ihren Balkon oder Garten können Sie über verschiedene Wege beziehen:

  • Das Netzwerk Blühende Landschaft vertreibt eine Auswahl dreier unterschiedlicher Mischungen. Bestellen können Sie diese im NBL Online-Shop.
  • Sie haben Größeres vor? Dann können Sie sich direkt an einen Saatguthersteller wenden. Das Netzwerk Blühende Landschaft zählt mehrere Anbieter auf.
  • Fragen Sie in einem Gartencenter nach insektenfreundlichen Blühmischungen, wenn möglich von regional-zertifizierten Herstellern.

Balkon und Terrasse

  • Pflanzen Sie keine sogenannte gefüllten Sorten wie z.B. Geranien oder Fleißige Lieschen. Diese sind für Insekten nutzlos, da sie keinen Nektar oder Pollen bilden.
  • Verwenden Sie große Pflanzgefäße mit viel Platz für die Wurzeln zur gleichmäßigen Wasser- und Nährstoffversorgung.
  • Verwenden Sie frostharte Gefäße für mehrjährige Pflanzen, die ganzjährig draußen bleiben und Insekten Nistgelegenheiten und Winterquartiere bieten.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Gefäße über eine Drainage verfügen, um Staunässe und Schäden am Gefäß durch gefrierendes Wasser zu vermeiden.
  • Vermeiden Sie Blumenkastenerde mit hohen Torfanteilen. Besser geeignet sind Mischungen aus Gartenerde, Grünkompost, Rindenkompost, Blähton und Sand.
  • Wählen Sie die Pflanzen gemäß der Lichtverhältnisse auf Ihrem Balkon aus.
  • Eine Liste mit geeigneten Balkonpflanzen finden Sie am Ende dieser Seite unter den weiterführenden Informationen.

Saatbettvorbereitung

  • Graben Sie den Boden bereits im Herbst um.
  • Bereiten Sie im Frühjahr ein feinkrümeliges Saatbett vor, das frei von unerwünschten Pflanzen (Quecken, Diesteln, Ampfer, etc.) ist.
  • Bearbeiten Sie die Fläche im Frühjahr nach dem Abtrocknen (März/April) mehrmals im Abstand von 10 Tagen mit der Fräse, dem Handgrubber oder Rechen, um unerwünschte Pflanzen zu reduzieren. Lesen Sie Quecken- und Giersch-Wurzeln ab.
  • Wenn Sie eine Rasenfläche umwandeln, erzielen Sie die besten Ergebnisse, wenn Sie die Grassode abschälen und entfernen. Sie können Sie aber auch untergraben.
  • Wenn Sie möchten, arbeiten Sie Sand oder Kalksplitt in das Saatbett ein, um den Boden auszumagern.
  • Düngen Sie nicht.

Aussaat

  • Beachten Sie den empfohlenen Aussaatzeitraum.
  • Wenn Sie möchten, können Sie das Saatbett aufteilen und zu verschiednen Zeitpunkten innerhalb des Aussaatzeitraums einsäen. Dadurch blühen die einjährigen Kräuter in Ihrer Mischung zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf und stellen so eine durchgehende Nahrungsversorgung sicher.
  • Wenn Sie möchten, können Sie auf Teilflächen mit verschiedenen Saatgutmischungen experimentieren um herauszufinden, welche für Ihren Standort am besten geeignet ist.
  • Beachten Sie die empfohlene Ansaatmenge pro Flächeneinheit. Verwenden Sie nicht mehr als angegeben.
  • Wenn Sie möchten, können Sie Stellen aussparen und auch später von Bewuchs freihalten. Insekten benötigen kahlen Erdboden, um sich in der Sonne aufzuwärmen oder um Höhlen im Boden anzulegen.
  • Mischen Sie das Saatgut mit trockenem Sand, Sägemehl oder Schrot auf insgesamt 10 Gramm pro Quadratmeter. So läßt es sich gleichmäßiger verteilen.
  • Säen Sie das Saatgut gleichmäßig mit der Hand aus.
  • Wenn Sie möchten, können Sie das Saatbett zunächst in Längsrichtung und anschließend in Querrichtung abschreiten und dabei jeweils die Hälfte des Saatguts auswerfen.
  • Arbeiten Sie das Saatgut nicht in den Boden ein. Wildkräuter sind Lichtkeimer. Drücken Sie es mit einem Brett fest an oder benutzen Sie eine Walze. Tun sie dies auf trockenem Boden, damit die Saat nicht an Brett oder Walze kleben bleibt.
  • Die ersten Keimlinge erscheinen bei feuchtem Boden nach einigen Wochen. Bei mehrjährigen Mischungen keimen einige Samen erst im folgenden Frühjahr.

Pflege

  • Die Pflegemaßnahmen fallen je nach Standort und Konkurrenzdruck durch die vorhandene Vegetegation unterschiedlich aus.
  • Manche Flächen benötigen keine Pflege für mehrere Jahre, andere müssen bereits kurz nach dem Auflaufen der Samen einen Schröpfschnitt erfahren, um unerwünschte Beikräuter zu unterdrücken.
  • Bei starkem Aufkommen unerwünschter Beikräuter mähen Sie drei bis sechs Wochen nach Ansaat, solange die einjährigen Kulturpflanzen noch so klein sind, dass sie beim Mähen nicht erfasst werden.
  • Prinzipiell sollte möglichst wenig in die Entwicklung eingegriffen werden, denn der ökologische Wert der Vegetation wächst kontinuierlich mit den Jahren.
  • Wenn Sie eine Mahd vor dem Winter vornehmen möchten, mähen Sie zwischen August und Oktober auf 15 Zentimeter Schnitthöhe.
  • Wenn Sie mähen, dann vorzugsweise an kühlen, bedeckten Tagen außerhalb der Flugzeit der Insekten (vor 8 Uhr oder nach 18 Uhr). Eine Mahd bedeutet für viele Insekten den Tod. Es wäre schade, wenn Sie einen großen Teil der Insekten, denen Sie eine Heimat geboten haben, wieder verlieren würden.
  • Mähen Sie nicht die gesamte Fläche auf einmal. Mähen Sie staffelweise, damit Insekten noch genügend Nahrung finden, solange die abgemähte Fläche nicht wieder in Blüte steht.
  • Düngen Sie nicht und lassen Sie nach einer Mahd kein Mähgut liegen. Nährstoffarme Böden liefern die besten Ergebnisse.

Gehölze

Hecken und Kleingehölze bieten nicht nur vielen Kleintieren und Vögeln Nahrung und Lebensraum, bei der gezielten Auswahl von blühenden Sträuchern und Bäumen können sie auch eine wertvolle Nahrungsgrundlage für blütenbesuchende Insekten sein.

Weitere Schutzmaßnahmen

Mit wenig Aufwand können Sie noch mehr für Insekten und andere Tiere tun:

  • Verzichten Sie auf die Anwendung von Chemie (Herbizide, Pestizide, Fungizide).
  • Legen Sie wilden Ecken an, in denen es unaufgeräumt zugehen darf. Sauberkeit und Ordnung sind menschliche Tugenden, haben aber keinen Nutzen für Insekten.
  • Bilden Sie Totholzstapel. Totholz ist ein sehr wichtiger Lebensraum für Insekten.
  • Basteln Sie Nisthilfen für Insekten (etwas unglücklich auch als „Insektenhotel“ bezeichnet). Die käuflich Erwerblichen häufig ungeeignet.
  • Lassen Sie im Herbst hohle Pflanzenstengel, in denen sich Insekten einnisten, bis zum Frühjahr stehen.
  • Sorgen Sie für Stellen mit kahlem Erd,- Sand-, oder Steinboden, damit sich z.B. Schmetterlinge in der Sonne aufwärmen können.
  • Sprechen Sie Ihre Familie, Ihre Freunde, Ihre Nachbarn, Ihren Arbeitgeber und Ihre Gemeinde auf das Thema Insektenschutz an.

Weiterführende Informationen